Jüngst wurden zwei interessante Studien veröffentlicht, die die Dimensionen der Geldwäsche im deutschen Immobiliensektor und im internationalen Finanzsektor untersuchen.

Die Zahlen sind ernüchternd: Nach Schätzungen von Transparency International werden 15 bis 30 Prozent aller kriminellen Vermögenswerte in Immobilien investiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Transparency International, die am Freitag in Berlin vorgestellt worden ist. Gemessen am Volumen des deutschen Immobilienmarktes (2016: 237,5 Mrd.EUR) ist von einer hohen Dunkelziffer an gewaschenen Geldern auszugehen. „Für uns ist klar: Es gibt ein massives Problem mit Geldwäsche bei Immobilien in Deutschland. Die geltenden Gesetze und die Ausstattung der Ermittlungsbehörden stehen auch angesichts der Grenzenlosigkeit internationaler Finanzströme in keinem Verhältnis dazu“, so Prof. Dr. Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland. Die Studie schließt mit einigen Empfehlungen im Kampf gegen Geldwäsche:

  1. Die im Zusammenhang mit Immobilientransaktionen beteiligten Akteure (Makler, Notare, Rechtsanwälte, Banken, Investmentfonds, Bauwirtschaft) müssten verstärkt ihren Sorgfaltspflichten nach dem Geldwäschegesetz (Kundenidentifizierung und Verdachtsmeldungen) nachkommen.
  2. Die Einsichtnahme in Register zur Umsetzung des Know-Your-Customer-Prinzips müsse für die Verpflichteten vereinfacht werden.
  3. Bei der Erfassung von wirtschaftlich Berechtigten müssten Lücken geschlossen werden.
  4. Die Aufsichtsbehörden müssten gestärkt und die Aufsicht insgesamt verbessert werden.
  5. Die FIU sei so auszustatten, dass sie umfassende, verdachtsunabhängige Strukturanalysen durchführen könne.
  6. Es bräuchte einen umfassenden Ansatz, der strukturelle polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ermögliche und stärke.
  7. Die internationale Zusammenarbeit der Behörden müsse verbessert werden.
  8. Das neue Recht der Vermögensabschöpfung müsse intensiver genutzt werden.
  9. Die Grundbücher müssten zentralisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
  10. Schließlich sein ein stärkeres Bewusstsein in der Öffentlichkeit über Geldwäsche und Organisierte Kriminalität zu schaffen und Sanktionen wegen Geldwäsche zu veröffentlichen.

(Quelle: Pressemitteilung Transparency International Deutschland e.V., Abruf vom 07.12.2018)

Um den internationalen Finanzsektor ist es nicht besser bestellt. Davon zeugen bereits die aktuellen Geldwäsche-Skandale bei internationalen Banken. Das Phänomen der Geldwäsche im internationalen Bankensektor hat die Unternehmensberatung AlixPartners untersucht. AlixPartners‘ globale AML- und Sanktions-Compliance-Umfrage 2018 befragte 372 Finanzinstitute in 71 Ländern, um zu ermitteln, wie Finanzinstitute die Compliance-Herausforderungen im Hinblick auf sich ändernde und zunehmende Vorschriften bewältigen.

Die Ergebnisse dieser Studie auf einen Blick:

  • Nationale sowie transnationale Regulierungs- und Normierungsstellen müssten ihr Niveau der Regulierungsaufsicht und -durchsetzung erhöhen.
  • Die Vorstände scheinen sich mit Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und Sanktionen in Compliance-Fragen zu befassen, aber 44% der Befragten gaben an, dass sie keine Schulungen zu Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und Sanktionen und/oder regelmäßige Unterweisungen für ihre Vorstände anbieten.
  • Der Trend zum De-Risking habe sich bis 2018 fortgesetzt und die Compliance-Herausforderungen für Finanzinstitute weltweit verstärkt.
  • Der Fokus werde verstärkt auf die angemessene Identifizierung, Quantifizierung und Verwaltung von Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und Sanktionsrisiken gelegt.
  • Transaktionsüberwachungssysteme für Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und Sanktionen seien nach wie vor eine wichtige Kostenstelle und ein Schwerpunkt für Finanzinstitute.
  • Die neue US Customer Due Diligence-Regel und die anhaltende globale Fokussierung auf ultimative wirtschaftliche Eigentümerschaft stellen Finanzinstitute weltweit weiterhin vor Herausforderungen.
  • Benchmarking und unabhängige Validierungen von Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und Sanktionsprogrammen würden nicht vollständig oder weitgehend übernommen.

(Quelle: Pressmitteilung AlixPartners, Abruf: 07.12.2018)

Link zur Studie: